Aktionsideen

Die Globale Divestment Mobilisierung bietet die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu präsentieren, wie rasch sich die Divestment-Bewegung auf der ganzen Welt verbreitet hat. Lasst uns die Bewegung auf ins nächste Level bringen und den skrupellosen Unternehmen der fossilen Brennstoffindustrie die Stirn bieten.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, eure Botschaft zu verbreiten und Kreativität kann euch dabei helfen, Menschen auf ganz neue Arten zu erreichen. Achtet darauf, dass lokale Medien und soziale Netzwerke auf euch aufmerksam werden. Wichtig ist, dass ihr eine passende Taktik findet.

 

 

  • 1. Schritt: Die richtigen Fragen stellen

Um eine Gruppe bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen, ist es manchmal sehr nützlich, grundlegende Fragen zu stellen. Das gemeinsame Erarbeiten von Antworten kann hilfreich sein, um zu einer Entscheidung zu kommen oder Punkte zu erkennen, an denen es verschiedene Möglichkeiten gibt, weiter zu machen oder in denen ihr unterschiedlicher Meinung seid. Es ist völlig in Ordnung, wenn es mehrere Antworten gibt und ihr eure unterschiedlichen Ansichten auch offen aussprecht. Hier sind einige Vorschläge, wir ihr innerhalb der Gruppe Fragen klären und euch abstimmen könnt, bevor ihr euch für eine Taktik entscheidet:

Tonfall: Welche Stimmung wünscht ihr euch für eure Aktion? Feiert ihr eure Stärke oder beklagt ihr den Verlust von Artenreichtum in eurer Gegend oder seid ihr empört, weil die Entscheidungsträger*innen nicht handeln?

Publikum: An wen wendet ihr euch? Wen versucht ihr mit eurer Aktion zu beeinflussen? Wie könnt ihr diese Zielgruppe am besten erreichen?

Ort: Welche Orte in eurer Umgebung sind für euer Thema relevant oder von symbolischer Bedeutung?

Organisatorische Ziele: Mit welchen spezifischen Gruppen möchtet ihr euch verbünden? Wollt ihr euer Team vergrößern oder das Engagement der bestehenden Gruppenmitglieder stärken?

Kampagnenziele: Wie sieht Erfolg aus? Wie passt diese Aktion zu der langfristigen Arbeit eurer Gruppe?

Bewertung von Taktiken: Welche Taktiken hat eure Gruppe in der Vergangenheit angewendet? Welche waren erfolgreich? Warum haben sie funktioniert? Was hat nicht geklappt? Wollt ihr eure Taktiken verschärfen (in Richtung direkterer Konfrontation) oder das Verständnis für Divestment vertiefen?

 

  • 2. Schritt: Eine Taktik auswählen

Wenn ihr eure Ideen zu Tonfall, Publikum und Zielen sowie die Erfolge früherer Taktiken diskutiert habt, könnt ihr einen Blick auf die Aktionsideen weiter unten werfen oder per Brainstorming spontane Einfälle sammeln, wie sich eure Gruppe bei der Globalen Divestment Mobilisierung einbringen kann. Hier klicken, um Vorschläge zu erhalten, wie ihr ein Brainstorming durchführen könnt.

 

Im Rahmen der Globalen Divestment Mobilisierung werden Menschen auf der ganzen Welt davon berichten, wie sich der Klimawandel auf etwas, das ihnen wichtig ist, ausgewirkt hat. Was ist für euch so bedeutsam, dass ihr nicht zulassen würdet, dass es aus Profitgier zerstört wird? Hier kommen ein paar Beispiele, wie ihr die Zusammenhänge zwischen eurer Zielgruppe und den lokalen Auswirkungen fossiler Brennstoffe deutlich machen könnt.

Luftaufnahmen Portraits Betroffener Klimafolgen-Teach-ins und öffentliches Storytelling Anbringen von Petitionen Besetzungen
Massenmobi-lisierungen Subvertising und Brandalism Zeigt die Kettenglieder, die Investitionen und Klimafolgen verbinden Impacted Land Art Betroffene Kulturen
Intervention durch Projektion Verleiht einen Preis für Klimafolgen Erleuchtet die Nacht

Luftaufnahmen

Zeigt die Macht der Menschen, die hinter eurer Botschaft stehen.

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Hunderte von Menschen versammeln sich mit blauen Pappen und Stoffen in einem ausgetrockneten Flussbett in New Mexico. Foto: Michael Clark

 

Bei Luftaufnahmen stellt das Medium die Botschaft dar. Durch die Anwesenheit vieler Personen wird vermittelt, dass dieses Anliegen vielen wichtig ist — das von den Menschen dargestellte Bild bringt also die Botschaft herüber. Was könntet ihr auf eurem Foto darstellen, das einen Bezug zu den Auswirkungen vor Ort hat? An welchem Ort könntet ihr die Aufnahme machen, um zu zeigen, dass durch den Klimawandel etwas fehlt oder sich etwas verändert hat? Möchtet ihr, dass die Menschen Kleidung in bestimmten Farben tragen? Für ein gutes Gelingen sind einige Vorbereitungen nötig: Achtet auf Schatten und die Stellung der Sonne; wenn ihr die Aufnahme aus einem Winkel macht, dann denkt daran, dass das Bild perspektivisch verkürzt erscheint.

Portraits Betroffener

Zeigt die Gesichter der Menschen, die am meisten betroffen sind.

Benutzt Fotografie, um zu zeigen, wie sich Klimafolgen in menschlichen Gesichtern widerspiegeln und verbreitet persönliche Geschichten über die Auswirkungen des Klimawandels. Vielleicht habt ihr Lust, eine Fotoausstellung zu organisieren, um eine öffentliche Diskussion anzustoßen; ihr könnt die Portraits auch vor dem Hauptsitz eurer Zielinstitution (z.B. Stadt, Uni, Kirche) in die Höhe halten oder sie dort bzw. auf Werbetafeln und -anzeigen in der Nähe der Institution mit Kleister befestigen. Denkt auf jeden Fall daran, dass die Fotos GROSS sein müssen und ladet auch die betreffenden Menschen ein, um an der Seite ihres Portraits ihre Geschichte zu erzählen. Mit frei zugänglichen Programmen lassen sich die Bilder kostengünstig auf A4-Papier ausdrucken und anschließend zu riesigen Postern zusammenfügen PosteRazor oder Rasterbator.

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Foto: Enmedio.info

 

Klimafolgen-Teach-ins und öffentliches Storytelling

Schafft einen Raum, um die vom Klimawandel betroffenen Personen direkt zu hören.

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Oft werden Menschen von den Geschichten einzelner Personen stärker berührt als von Fakten und Statistiken. Überlegt euch, eine öffentliche Veranstaltung zu organisieren, auf der Ortsansässige und Expert*innen darüber berichten, wie der Klimawandel schon jetzt eure unmittelbare Umgebung beeinflusst. Wenn bestimmte Gruppen besonders stark betroffen sind, denkt darüber nach, welche Art von Uniformen oder Kleidung dies unterstreichen kann — fragt beispielsweise die Angehörigen der örtlichen Feuerwehr, ob sie in Uniform erscheinen könnten. Vielleicht könnt ihr auch ältere Mitglieder eurer Gemeinde einladen und sie bitten, von den Veränderungen zu berichten, die sie im Lauf ihres Lebens mit angesehen haben. Dies alles kann im Rahmen einer Demonstration oder Sitzblockade stattfinden, die wiederum als Mobilisierungswerkzeug für eine größere Aktion genutzt werden kann. Oder ihr veranstaltet es direkt am Sitz eurer Uni, Stadt oder Kirche — auf den Eingangsstufen, vor dem Büro oder in der Empfangshalle.

 

Anbringen von Petitionen

Schreibt eure Forderungen groß genug, damit jede*r sie lesen kann.

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Ein Stück Papier, das dem Büro der Zielgruppe übermittelt wird, ist leicht zu übersehen. Eine 5 Meter lange Petition, die an einem Gebäude hängt, lässt sich allerdings schwerer ignorieren. Sorgt dafür, dass eure Botschaft laut und deutlich ankommt, indem ihr sie groß macht. Nehmt großformatigen (orangen) Stoff (oder färbt Bettlaken mit Latex-Wandfarbe und Wasser orange ein), schreibt oder projiziert eure Botschaft darauf und hängt das fertige Banner an einem strategisch günstigen oder symbolträchtigen Ort auf. Denkt auch an den Hintergrund bzw. Vordergrund des Gesamtbilds. Nehmt Rücksicht auf den Standort eurer Zielgruppe — bei bestimmten Gebäuden ist es manchmal aus kulturellen oder historischen Gründen nicht angebracht, Transparente anzubringen. Hier seht ihr ein Beispiel.

Besetzungen

Gewaltfreie Besetzung von Räumen

Dies ist ziemlich leicht. Geht einfach irgendwohin und weigert euch, wegzugehen. Sitzblockaden und Besetzungen von Büros oder Empfangshallen können eure Botschaft zum Kern des Problems führen und eure Entscheidungsträger*innen zu einer Entscheidung oder einem Statement bringen, wie sie sich euch gegenüber verhalten will. Dies kann eine effektive Möglichkeit sein, eine laufende Divestment-Kampagne zu verschärfen und eure Forderungen auf der Tagesordnung nach ganz oben zu bringen, falls andere Taktiken nicht funktionieren sollten.

Indem ihr einen strategischen Ort besetzt, könnt ihr den normalen Betrieb einer Institution stören und damit die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass diese Institution ins Klimachaos investiert. Im Allgemeinen weigern sich die Protestierenden so lange zu gehen, bis ihre Forderungen erfüllt wurden, aber es ist wichtig zu wissen, dass Sitzstreiks auch mit gewaltsamer Auflösung und Festnahmen enden können. Besetzungen müssen also sorgfältig geplant und vorbereitet werden und wir empfehlen euch dringend, vorher an einem Direct-Action-Training teilzunehmen. Hier dazu ein Beispiel (auf Englisch): MIT Sit-In: 116 Tage Sitzblockade.

Massenmobilisierungen

Zeigt auf den Straßen, wie viele ihr seid

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Kunst: People’s Collective Arts

 

 

Kundgebungen und Demonstrationen sind eine gängige Taktik, die viele Aktivist*innen anwenden, um eine Botschaft zu verbreiten, die viele Menschen zusammenbringen und einer Bewegung (und den Medien) zeigen kann, wie viele Menschen sich tatsächlich engagieren. Wählt einen Veranstaltungsort: Wo startet eure Demonstration und wo endet sie bzw. wo könnte eure Kundgebung stattfinden? Verwendet Kunst und lasst Betroffene ihre Geschichten selbst erzählen, um die Kernbotschaften, die ihr herüberbringen wollt, besonders hervorzuheben.

Subvertising und Brandalism

Helft den Unternehmen, das auszusprechen, was sie wirklich tun

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Firmen und Konzerne nutzen ihre Werbekampagnen und Logos, um ein Bild von sich zu vermitteln, das sie in einem positiven Licht erscheinen lässt. Das ist allerdings häufig nicht die ganze Geschichte. Macht eure Uni oder Stadt in eurer Umgebung für sich Werbung? Welche Änderungen könntet ihr an diesen Werbeplakaten vornehmen, um die dreckigen Investitionen der Institution ans Licht zu bringen? Mit nur ein paar Aufklebern, ein wenig Kleister oder Farbe lässt sich die Aussage einer Werbung oder eines Firmenlogos komplett verändern.
Es gibt ein praktisches Online-Tool, mit dem sich die Größe jeder Art von Grafik und Bildmaterial verändern lässt, um es im Anschluss auszudrucken. you can find it here.

Beispiele:
Studenten der Dalhousie University machen aus Dalhousie „Shellhousie”
Internetseite zu Brandalism

Impacted Land Art

Verwendet Materialien, an denen der Klimawandel Spuren hinterlassen hat, um eure Botschaft darzustellen

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Kunstwerke: Daniel Dancer, artforthesky.com

 

Die eingesetzten Materialien erzählen die eine Hälfte der Geschichte, das von euch geschaffene Objekt erzählt den Rest. Denkt über die physikalischen Auswirkungen des Klimawandels nach: vertrocknete Felder, übriggebliebene Trümmer nach einer Überschwemmung, verkohltes Holz infolge eines Waldbrands oder durch Trockenheit ausgedörrte Erde. Verwendet diese Materialien, um ein ausdrucksstarkes Objekt vor eurer Uni, Stadt oder Kirche aufzubauen oder an einem öffentlichen Ort zu gestalten.

Betroffene Kultur

Mit dem Klimawandel ändert sich auch die Kultur

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Foto: Amelia Telford, Koordinatorin beim australischen Klimanetzwerk Seed, führt die Pacific Climate Warriors bei ihrer Kanublockade des größten Kohlehafens der Welt im australischen Newcastle an

 

Viele kulturelle Traditionen sind eng mit dem Land, den Jahreszeiten sowie den Kreisläufen der Natur verbunden. Überlegt euch, welche lokalen Traditionen durch den Klimawandel beeinflusst werden könnten. Gibt es traditionelle Feiertage, die in Zusammenhang mit der Ernte in bestimmten Regionen stehen oder die die Regenzeit willkommen heißen? Gibt es volkstümliche Lieder, Tänze oder Gedichte, die von diesen natürlichen Kreisläufen berichten? Vielleicht könnt ihr einige dieser Traditionen abwandeln (z. B. Liedtexte), um die Lebensrealität in einem veränderten Klima widerzuspiegeln?

Intervention durch Projektion

Sagt, was ihr wollt und wo ihr es wollt — ohne Spuren zu hinterlassen

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Projektion ist eine großartige Taktik, um verschiedene Teile einer Geschichte zu verbinden. Ihr könntet z. B. die Auswirkungen des Klimawandels auf eure Uni, Stadt oder Zielinsitution projizieren. Versucht dabei, die Geschichte nicht nur mit Worten, sondern auch durch passende Bilder und Videos zu erzählen. Überlegt euch ebenfalls genau, wo ihr die Projektion veranstalten wollt und wie der Ort eure Botschaft reflektieren oder verstärken kann. Diese Aktion lässt sich in unterschiedlichen Größenordnungen durchführen, in Abhängigkeit von der Leistungsstärke eures Projektors.

Ressourcen (auf Englisch):

Tutorials zur Intervention durch Projektion

The Illuminator: Materialien

 

Beispiel::

Guerilla-Projektion an der Zentrale des Vattenfall-Konzerns

 

Verleiht einen Preis für Klimafolgen

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Viele Institutionen tun eine ganze Menge, um dem Klima unseres lebenswerten Planeten zu schaden — es ist an der Zeit, das Ausmaß dieser Klimaschäden öffentlich zu würdigen. Stattet eurer Zielorganisation einen Besuch ab und überreicht ihr ein völlig unerwartetes Geschenk: einen Preis für die „größten schädlichen Auswirkungen auf das lokale Klima”. Druckt ein Transparent aus oder fertigt eine Medaille an, die ihr dem Unternehmen als Preis verleiht; unmittelbar vor der Bekanntgabe seiner Quartalsgewinne oder bei der Ankündigung neuer Kohle-, Öl- oder Gasfunde bzw. eines neuen fossilen Brennstoffprojekts ist so eine Aktion besonders wirkungsvoll. Ladet auch Vertreter*innen der Presse ein und sorgt für ein tolles Foto, denn nicht jede*r von ihnen schafft es vielleicht, in das Gebäude eurer Zielorganisation zu gelangen.

Beispiel einer Aktion:

Überreichung des Preises für verlorene Vermögenswerte an den Adani-Konzern

Erleuchtet die Nacht

Entwickelt ausdrucksstarke visuelle Elemente für nächtliche Aktionen

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Mithilfe von schwarzer Pappe und einigen batteriebetriebenen Lichterketten könnt ihr wirkungsvolle leuchtende Texttafeln herstellen, mit denen ihr bestimmt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für eure Botschaft gewinnen werdet. Es ist ganz einfach: Zeichnet mit Löchern, die ihr in die Pappe stecht, die Buchstaben eurer Nachricht nach (ein Buchstabe pro Pappe) und steckt dann die einzelnen Lichter durch die Löcher. Wählt einen strategisch günstigen Ort aus, stellt euch in der Reihenfolge der Buchstaben eurer Botschaft auf und dann: „Licht an” für eure glänzende Idee. Vergewissert euch, dass jemand vor Ort ist, der Erfahrung mit Nachtaufnahmen (und ein Stativ) hat, damit ihr ein Foto bekommt, wie ihr es euch wünscht.

Ressourcen:

Hier klicken, um ein Anleitungs-Video zur Herstellung leuchtender Texttafeln anzuschauen (auf Englisch).

Schaut im Leitfaden nach, um weitere Infos zu erhalten und vergesst nicht eure Veranstaltung einzutragen .

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